Friedrichshain-Kreuzberg: Durchstarten statt Abwarten! Wege in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen

19.10.2020

Menschen in 450-€-Jobs dabei zu unterstützen, eine voll sozialversicherte Arbeit zu finden, war das Ziel des dreijährigen PEB-Projektes „Durchstarten statt Abwarten!“, das im August 2020 endete. In mehreren Durchgängen wurden mehr als 70 Teilnehmende über ihre Rechte als Arbeitnehmer*innen aufgeklärt und im Coaching dabei unterstützt, reguläre Stellen zu suchen.


Begleitet wurde der Prozess durch regelmäßige Gruppenangebote, um mögliche Hemmnisse auf dem Weg in volle Arbeit abzuschwächen oder in Vorteile zu verwandeln. Parallel dazu wurden Arbeitgeber*innen – meist in Einzelgesprächen - dazu beraten, warum 450-€-Stellen möglicherweise für sie teurer als sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen sind und worin weitere Vorteile der Umwandlung von 450-€-Jobs in voll sozialversicherte Arbeitsverhältnisse liegen.

Die Arbeit mit den Teilnehmenden fand vor allem in Einzelcoachings und Workshops statt. Es wurden Gesundheitsthemen (wie Umgang mit Stress, Entspannungstechniken) aber auch die bewerbungsrelevante Themen (Verbesserung des eigenen Auftritts im Vorstellungsgespräch, die Bewerbungsmappe) bearbeitet. Dabei war es vorrangig, zuerst gemeinsam die Bedarfslage (den Auftrag) der Teilnehmenden und ihr Ziel im Projekt zu klären.

Im weiteren Verlauf wurden die Schritte zur Zielerreichung erarbeitet:

  • Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse
  • Absicherung der Versorgung der Kinder bei Erhöhung von Arbeitsstunden
  • Empowerment
  • Umgang mit inneren Widerständen
  • Klärung des Zielberufs bei Berufswechsel
  • Wege zum Zielberuf
  • Abstimmung der Bewerbungsstrategien (offener/verdeckter Arbeitsmarkt)
  • Optimierung der Bewerbungsunterlagen
  • Verbesserung des Auftritts in Vorstellungsgesprächen
  • Unterstützung beim Finden und Finanzieren von Praktika/Fortbildungen

Die methodischen Ansätze stammten aus dem systemischen Coaching, es wurden auch Arbeitsweisen aus der Ressourcen-Orientierung, der Tetralemma-Arbeit und dem inneren Team angewendet. Das Projekt half den Teilnehmenden, eine neue berufliche Vision zu entwickeln, daraus Ziele abzuleiten und die notwendigen Schritte zu unternehmen, um diese auch zu erreichen. Durch Techniken des Empowerments wurden verschüttete Ressourcen wiederentdeckt und nutzbar gemacht. So wurde das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt.

Die Arbeit mit den Teilnehmenden deckte auch die Problematiken des Konstrukts der 450-€-Jobs für Menschen auf, die diese nicht als Überbrückungs-, Ferien- oder Hinzuverdienst-Möglichkeiten selbst gewählt haben. So landeten zum Beispiel viele Migrant*innen mit und ohne Fluchthintergrund (Anteil im Projekt über 60%) in 450-€-Jobs, obwohl ihre Qualifikationen weit höher lagen, nur weil ihr Sprachniveau im Deutschen noch nicht für „gute Arbeit“ ausreichte.

Fast die Hälfte der Teilnehmenden hat während des Projektes eine voll sozialversicherte Stelle gefunden, weitere 10% waren nach Abschluss in einer Fortbildung. Die Teilnehmenden, die weiter gecoacht werden wollten, konnten an anderen laufenden Projekten der Wille teilnehmen.

Mehr Informationen und Möglichkeiten der Beratung zur Umwandlung von Minijobs:

Die Wille gGmbH

Andrea Schneider-Mezari

Müllerstr. 56 - 58

13349 Berlin

 

Kontakt/Ansprechpartner

Herr Christoph Mann

christoph.mann@jsd.de

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